Anlass: z.B. 70. Geburtstag – auf schwäbisch
Mitwirkende:
Requisiten:
Quelle: H.E.
70er Geburtstag von Tante Gretl:
Es reibt die Auga
sich verwondert
dr Mensch, - wird ihm
so langsam klar,
dass fast schon ein
Dreivierteljahrhondert,
er Gascht auf dieser
Erde war.
Die Frage pflegt ihn
zu betrüben-
denn er empfand es
gar nicht so –
„Verflixt! Wo ischt
die Zeit geblieben?
Geschtern war i no
jugendfroh!
Der Gretel hier ischs
so erganga:.
Sie putzt die Brille
ond sie dacht sich:
„Vergangene Zeit
kascht it einfanga!“
So wird ma 20, 40,
70.
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70 Jahre wird’ sie
alt,
so schrieb sie ihre
Gäschte.
Drom lade sie – man komme
bald –
zu ihrem
Wiegenfeschte.
Mei Frau – sie ischt
heut au dabei –
hot gsagt: „Do
hockscht de nieder,
ond schtrengscht dein
Grend an – jetztet glei –
ond dichtescht domol
wieder.“
Des höra – noch ma
Notizblock langa,
ond nach a Bier, weil
ma des braucht,
ond niederghockt ond
sofort anfanga!
Hab gebrütet, dass dr
Kopf no raucht!
Weil ihr ( fascht)
alle schwäbisch schwätzt,
hab i’s in Mundart
formuliert.
Ich hoffe, dass ihrs
alle schätzt,
ond dass ihrs alle au
kapiert.
Wers’s it verschtod,
des Schwäbisch schwätza,
s’gibt andre Mäuler
au – i woiß - ,
dem kann i’s nachher
übersetza,
ond koschtets au viel
Müh’ ond Schwois.
Jetzt fang I an und I
berichte,
was mir so durch mei
Köpfle ging.
S’ischt alles Teil
schon der Geschichte,
erzählt, wie alles so
anfing.
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In Sulinga, tief im
Hinterland,
Kreis Biberach in
Schwoba
wars wo ihre Wiege
stand,
im Metterling dort
oba.
9 Kender auf’ra
Landwirtschaft,
davon war sie die
Nummer sieba,
alle hand do zamma g’schafft,
s’ isch nix andres
übrigblieba.
Aufgwachsa zwischen
Milch ond Küh,
zum Wuhla gabs stets
reichlich
man gibt sich die
allergrößte Müh,
zum Leba langts dann
freilich.
Se gohnt in ‚d Schul,
se’ wächst heran,
ond schnell vergeht
die Jugend.
Oms Haus schleicht
mancher jonge Ma
ond bedrohht die
Tugend.
Scho ischt ma groß´,
muß Geld verdienen,
d’r Hof ischt s’kloi,
ma muß in d’Stadt
ma muß jetzt andren
Leuten dienen,
au wenn ma koi Luscht
grad dazu hat.
Bei d’r Firma
Renschler in warthausa
hot Gretl gschafft so
16 Jahr,
Täglich in da Betrieb
nei saußa,
au wenn’s it immer
angnehm war.
Inzwischen trat in
die Geschichte,
der Storch war da –
hurra – hurra-
ein Neffe, ond vorher
noch ne Nichte
brachte: mi ond Angelika.
Schon als kleines
Molke-Büble,
kaum war die Milch da
weggebracht,
gings abends
blitzschnell ab ins Stüble
der Fernseher ward
angemacht.
So saß ich dort wohl
manche Stunde,
zwischen Oma, Onkel,
Tanten.
Mit großen Augen,
offnem Munde!
Ein Fernseh-Kreis aus
lauter An-Verwandten.
Zur Weinles’, nach
Harxheim an den Main,
do ischt Gretl äll Johr
zoga.
Ond so manches
Fläschle Wein,
hots abg’füllt –
ongeloga.
Hoscht a Leba lang
brav g’schafft,
kriegscht mit 60 dann
die Rente.
Ond bischt no nit
abgeschlafft,
gibscht deim Leben
eine Wende.
Gretl hot gmoint,
jetzt ischt’s Zeit
von d’r Welt noch was zu sehen.
Denn die Welt ischt
bunt ond weit,
„I möchte no auf
Weltreise gehen.“
Ond so begibt – auf ganz
verschiedne Weise
sei es mit Flieger,
Schiff ond Bus
die Gretl sich auf
eine Reise.
Vom Ausland kommt
manch Kartengruss.
„Ein kurzer Gruss –
hier ist es schön –
die Sonne brennt gar
mächtig,
hier gibt es
schrecklich viel zu sehn,
der Mensch staunt
fast andächtig.“
I hoff’ sie hat den
Schwung behalten,
no viele Länder zu
bereisen.
Solang des duascht, g’hörscht
nit zum Alten,
ond langsam
roschtigen Eisen.
Was i o saga will, s’ischt
an alter Zopf:
Was zählen schon die
paar Jahre,
alt wird ma nur außa,
net im Herz ond net im Kopf,
auch wenn färben sich
die Haare.
Jong im Herzen, des
ischt wichtig,
ond stets voll Gottvertrauen
und Humor!
So lebt man sein
Leben lang sicher richtig
ond langweilig kommts
oim net vor.
70 mag ‚scht
vielleicht dann sei,
die Zeit vergeht im
Fluge,
doch bischt du no die
gleiche fei
wia früher – ohne Luge.
Was sucht dr Mensch
wohl hier auf Erden?
S’ischt it viel – was
er so braucht,
nur glücklich will
er, alt au werden,
au wenn ons sLeba
manchmal schlaucht.
A scheene Hoimat, ond
liebe Leit,
was will ma denn no
me?
A Gläsle Woi, wenn
oin des freit,
So ischt das Leba
schee!
Drom liebe Gäschte,
hebt die Krüge,
schtost mit mir ond
ihr jetzt au an.
Denn wer feiert ischt
it trübe.
Da steht au jede Frau
ihrn Mann.
Es lebe hoch, der
Jubilar,
heut, ond noch viele
Male
Ond ois freut alle –
sonnenklar –
dass sie die Zech’
heut’ zahle.
Ond dass dir weiter
sei beschieden,
viel Lebenskraft von
früh bis spät,
dass du in Zukunft
auch zufrieden.
ond alles stets nach
Wunsche geht.
Dass wünschen alle
hier am Tische,
ond dass du in genau
10 Jahr’,
ons wieder einlädscht
in aller Frische
das Los trifft jeden
Jubilär.
I bin jetzt fertig
für a Weile.
Glei setz i mi nieder
auf mein gsäß.
Heut sind wir alle
net in Eile.
solang no Naß ischt
im Gefäß.
Ich bitt’ nun alle
hier im Saale,
stimmt mit mir ein,
di da hier sind,
und wiederholt es gar
3 male,
Hoch lebe das
Geburtstagskind!
Nachgesang:
Wenn du wo eingeladen
bist,
dann fordert es der
Brauch,
dass etwas
mitzubringen ist,
und so mach ich’s halt
auch.
Was schenk ich blos
jetzt diesesmal?
Halt – jetzt hab ich
eine Idee!
Was Süßes passt auf
jeden Fall,
ond Blümle sind stets
schee.
Hier ischt boides,
wie ihr seht,
Tante Gretl, des hier
sch für di.
Ich bedank mich,
damits zom reima geht,
unschwäbisch mit :
MERCI“.